Erste Hilfe bis zum Tierarzttermin
Bis Dein Hund untersucht wird, geht es vor allem darum, ihm die Beschwerden zu erleichtern. Gleichzeitig solltest Du nichts tun, was die Diagnose erschwert.
- Lass ihn häufiger raus als sonst. Jede Gelegenheit, die Blase zu leeren, spült Keime aus und nimmt den Druck.
- Sorge dafür, dass er gut trinkt. Ein zweiter Wassernapf an seinem Lieblingsplatz hilft, ebenso etwas lauwarmes Wasser über dem Futter.
- Biete ihm einen warmen, zugfreien Liegeplatz mit einer weichen Decke. Eine Wärmflasche sollte höchstens handwarm und gut eingewickelt sein.
- Gib ihm keine Schmerzmittel aus Deiner eigenen Hausapotheke. Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol können für Hunde giftig sein.
- Greif auch nicht zu übrig gebliebenen Antibiotika. Sie passen womöglich nicht zum Erreger und verfälschen die Urinuntersuchung.
Pflanzliche Mittel wie Cranberry werden häufig empfohlen. Sie säuern den Urin an, was je nach Ursache hilft oder schadet. Setze sie deshalb erst nach Rücksprache mit Deinem Tierarzt ein.
Am meisten hilfst Du Deinem Hund und der Praxis allerdings mit einer frischen Urinprobe.
So fängst Du eine Urinprobe richtig auf
Eine gute Urinprobe beschleunigt die Diagnose. Ideal ist der zweite Urin des Tages, denn der erste Morgenurin ist stark konzentriert und kann die Ergebnisse verfälschen.
Bei Rüden klappt das am einfachsten mit einem sauberen, flachen Becher oder einer Suppenkelle, die Du in den Strahl hältst. Ein verlängerter Stiel hilft, damit Du nicht zu nah herangehen musst. Hündinnen lassen sich oft eine flache, saubere Schale unterschieben, sobald sie sich hinhocken.
Verwende nur Gefäße, die wirklich sauber sind. Sterile Urinbecher bekommst Du in der Tierarztpraxis oder in der Apotheke. Die Probe sollte möglichst innerhalb einer Stunde untersucht werden. Hast Du einen längeren Anfahrtsweg, fängst Du den Urin am besten direkt vor der Praxis auf.
Während Du auf den Termin wartest, stellt sich natürlich die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Ursachen: Warum sich die Blase entzündet
In den meisten Fällen steigen Bakterien über die Harnröhre in die Blase auf. Oft sind es Darmkeime wie E. coli, die rund um After und Genitalien ganz natürlich vorkommen. Normalerweise spült der Urin sie wieder hinaus. Gelingt das nicht, vermehren sie sich an der Blasenwand.
Seltener lösen Pilze oder Viren eine Entzündung aus. Daneben gibt es Faktoren, die die Blase reizen oder ihre Abwehr schwächen.
- Harnkristalle und Harnsteine scheuern an der Blasenwand und bieten Bakterien Halt.
- Diabetes und andere Grunderkrankungen machen die Harnwege anfälliger für Infektionen.
- Medikamente wie Cortison können die körpereigene Abwehr dämpfen.
- Wird die Blase selten vollständig entleert, haben Keime mehr Zeit, sich anzusiedeln.
- Bei älteren Hunden können Tumore der Blase ähnliche Beschwerden verursachen. Das ist selten, sollte bei hartnäckigen Fällen aber ausgeschlossen werden.
Stress wird oft als Auslöser genannt. Bei Katzen spielt er tatsächlich eine große Rolle, beim Hund ist sein Einfluss deutlich geringer.
Ob ein Hund eher betroffen ist, hängt außerdem von Geschlecht und Alter ab.
Warum Hündinnen häufiger betroffen sind
Hündinnen erkranken deutlich häufiger als Rüden. Ihre Harnröhre ist kürzer und weiter, sodass Bakterien leichteres Spiel haben. Kastrierte Hündinnen und ältere Hunde gelten als zusätzlich gefährdet, weil hormonelle Veränderungen die Schleimhäute empfindlicher machen können.
Bei langhaarigen Hündinnen kann verfilztes oder verschmutztes Fell im Genitalbereich das Risiko weiter erhöhen.
Rüden erkranken seltener. Ihre Beschwerden solltest Du trotzdem besonders ernst nehmen, denn bei ihnen steckt öfter eine andere Ursache dahinter, etwa eine Erkrankung der Prostata oder ein Harnstein.
Kann Kälte eine Blasenentzündung auslösen?
Nach einem Spaziergang im Regen oder einem Bad im kalten See machen sich viele Hundehalter Sorgen. Die eigentlichen Auslöser einer Blasenentzündung sind aber Keime, nicht die Kälte selbst.
Beim Menschen gilt Unterkühlung als begünstigender Faktor, weil die Schleimhaut dann schlechter durchblutet wird. Ob das beim Hund genauso ist, ist kaum untersucht. Ein nasser, durchgefrorener Hund wird also nicht automatisch krank.
Schaden kann es trotzdem nicht, Deinen Hund nach nassen Runden abzutrocknen und ihn nicht lange auf kaltem Boden liegen zu lassen. Das gilt besonders für Hunde, die bereits zu Blasenentzündungen neigen.
Welche Ursache bei Deinem Hund tatsächlich vorliegt, klärt die Untersuchung beim Tierarzt.
Diagnose beim Tierarzt
Die wichtigste Untersuchung ist die des Urins. Mit einem Teststreifen erkennt Dein Tierarzt Blut, Entzündungszellen und erhöhte Eiweißwerte. Unter dem Mikroskop sieht er außerdem Bakterien und Kristalle.
Für eine gezielte Behandlung ist oft eine Bakterienkultur sinnvoll. Sie zeigt, welcher Erreger beteiligt ist und welches Antibiotikum wirkt. Damit die Probe nicht verunreinigt ist, entnimmt der Tierarzt den Urin dafür manchmal mit einer feinen Nadel direkt aus der Blase. Das klingt unangenehmer, als es ist, und die meisten Hunde tolerieren es gut.
Ist die Blase beim Abtasten auffällig oder finden sich Kristalle im Urin, folgen Ultraschall oder Röntgen. So lassen sich Harnsteine, Verdickungen der Blasenwand oder Tumore erkennen. Bei wiederkehrenden Entzündungen hilft zusätzlich eine Blutuntersuchung, um Grunderkrankungen wie Diabetes aufzuspüren.
Mit diesen Befunden lässt sich die Behandlung passgenau planen.
Behandlung: Was wirklich hilft
Liegt eine bakterielle Infektion vor, verschreibt Dein Tierarzt ein Antibiotikum, das zum Erreger passt. Dazu kommen häufig entzündungshemmende Schmerzmittel, damit das Wasserlassen nicht mehr wehtut.
Viele Hunde fühlen sich schon nach wenigen Tagen deutlich besser. Trotzdem ist es wichtig, das Antibiotikum genau so lange zu geben wie verordnet. Wird es zu früh abgesetzt, überleben einzelne Bakterien. Die Entzündung kann zurückkehren, und die Keime werden womöglich unempfindlich gegen das Mittel.
Eine Kontrolle des Urins nach der Behandlung zeigt, ob die Infektion wirklich ausgeheilt ist.
Heilt eine Blasenentzündung von allein?
Darauf solltest Du Dich nicht verlassen. Eine bakterielle Infektion kann über die Harnleiter bis in die Nieren aufsteigen und dort ernsthafte Schäden verursachen. Wie viel die Nieren für den ganzen Körper leisten, liest Du in unserem Artikel über Nierenerkrankungen beim Hund.
Außerdem können sich bei einer verschleppten Infektion Harnsteine bilden. Gerade dieser Zusammenhang wird oft unterschätzt.
Wenn die Blasenentzündung immer wiederkommt
Erkrankt Dein Hund mehrmals im Jahr, reicht es nicht, jede Entzündung einzeln zu behandeln. Dann geht es darum herauszufinden, warum die Blase immer wieder angreifbar ist.
Häufige Gründe sind eine nicht vollständig ausgeheilte Infektion, Bakterien mit Resistenzen, Harnsteine oder eine Grunderkrankung. Auch anatomische Besonderheiten kommen infrage, etwa eine eingesunkene Vulva bei übergewichtigen Hündinnen.
Für diese Spurensuche braucht es meist eine Bakterienkultur, Bildgebung und Blutwerte. Der Aufwand lohnt sich, weil sich erst dann gezielt vorbeugen lässt. Besonders eng ist dabei die Verbindung zu den Harnsteinen.
Blasenentzündung und Harnsteine: Wie beides zusammenhängt
Blasenentzündung und Harnsteine beeinflussen sich gegenseitig. Steine reizen die Blasenwand und begünstigen Infektionen. Umgekehrt kann eine Infektion selbst zur Steinbildung führen.
Beim Hund entstehen die häufigen Struvitsteine vor allem infolge einer Blasenentzündung. Bestimmte Bakterien bilden das Enzym Urease, das den Urin alkalisch macht. In diesem Milieu fallen Magnesium, Ammonium und Phosphat als Kristalle aus und wachsen zu Steinen heran. Auch hier sind Hündinnen häufiger betroffen.
Calciumoxalatsteine verhalten sich anders. Sie bilden sich eher in saurem Urin und lassen sich nicht über das Futter auflösen. Größere Oxalatsteine müssen operativ entfernt werden.
Diese Unterschiede sind der Grund, warum Du ohne Diagnose keine Diät auf eigene Faust beginnen solltest. Eine Fütterung, die den Urin ansäuert, hilft bei Struvit und kann bei Oxalat das Problem verstärken. Welche Steinart vorliegt, zeigt die Untersuchung von Urin und Kristallen, in unklaren Fällen eine Steinanalyse.
Rassen mit Neigung zu Harnsteinen
Manche Rassen bilden häufiger Harnsteine als andere. Dazu zählen vor allem kleine Rassen wie Zwergpudel, Malteser, Yorkshire Terrier, Cairn Terrier, Kleinspitz sowie Zwerg- und Mittelschnauzer. Auch der Samojede gehört dazu.
Gehört Dein Hund zu einer dieser Rassen, sind regelmäßige Urinkontrollen besonders sinnvoll. Damit sind wir bei der Frage, was die Ernährung tatsächlich bewirken kann.
Welche Rolle die Ernährung für die Blase spielt
Futter heilt keine Blasenentzündung. Es beeinflusst aber drei Dinge, die für gesunde Harnwege wichtig sind. Das sind die Urinmenge, der pH-Wert des Urins und das Körpergewicht.
Mehr Flüssigkeit, bessere Spülung
Je mehr Urin Dein Hund bildet, desto verdünnter ist er und desto öfter wird die Blase entleert. Keime und Kristalle haben dann weniger Zeit, sich festzusetzen.
Wie viel Flüssigkeit Dein Hund aufnimmt, hängt stark vom Futter ab. Trockenfutter enthält nur rund 10 % Wasser, frisches Muskelfleisch dagegen rund 75 %. Insgesamt nehmen gebarfte Hunde deshalb deutlich mehr Wasser auf als Hunde, die mit Trockenfutter ernährt werden.
Auch die Verdauung spielt hinein. Weicher Kot oder Durchfall entziehen dem Körper Wasser, das dann bei der Urinbildung fehlt. Eine stabile Kotkonsistenz ist deshalb auch für die Blase ein gutes Zeichen.