Mangelerscheinungen bei BARF zeigen sich meist zuerst an stumpfem, glanzlosem Fell, an schuppiger Haut, schleimigem oder weißem Kot oder an der Energielosigkeit Deines Hundes, noch bevor ein Blutbild überhaupt etwas anzeigt.


Als BARF-Ernährungsberaterin werde ich fast jede Woche zu Symptomen von Mangelerscheinungen bei gebarften Hunden gefragt, meistens von Haltern, die frisch umgestellt haben und unsicher sind, was normal ist und was ein echtes Warnsignal.


Wichtig dabei: Ein Nährstoffmangel bleibt selten eine isolierte Baustelle. Weil viele Nährstoffe im Körper zusammenwirken, zieht ein Zinkmangel zum Beispiel oft gleichzeitig Fell, Haut und Krallen in Mitleidenschaft, und ein gestörtes Calcium-Phosphor-Verhältnis wirkt sich sowohl auf den Kot als auch auf den Knochenbau aus.


Wenn Du also mehrere der nachfolgend geschilderten Anzeichen gleichzeitig bei Deinem Hund beobachtest, ist das ein deutlicherer Hinweis als ein einzelnes Symptom für sich.


Beachte bitte, dass sie auch ein Anzeichen für eine weitere Erkrankung sein können und eventuell tierärztlich abgeklärt werden müssen.


In diesem Artikel gehe ich Körperregion für Körperregion durch, welche Anzeichen auf welchen Nährstoffmangel hindeuten können und was Du konkret tun kannst.

Fell & Haut: Die ersten sichtbaren Warnzeichen

Fell und Haut reagieren bei Hunden besonders schnell auf Nährstoffdefizite, weil der Körper sie bei Mangel als Erstes vernachlässigt, um wichtigere Funktionen zu priorisieren.


Worauf Du achten solltest:

  • Stumpfes, glanzloses Fell trotz regelmäßiger Fütterung
  • Vermehrter Fellverlust außerhalb der Fellwechsel-Saison
  • Schuppige, trockene oder gerötete Haut
  • Ständiges Kratzen ohne erkennbare Allergie oder Parasiten

Mögliche Ursachen: Am häufigsten steckt hier ein Zinkmangel oder eine unzureichende Versorgung mit Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren dahinter. Zink findet sich vor allem in Innereien, aber auch in Muskelfleisch und Eigelb. Wenn Dein Hund Innereien konsequent verschmäht oder Du sie zu selten fütterst, kann hier eine Lücke entstehen.


Bei den Fettsäuren lohnt sich ein Blick auf Dein Öl: Hochwertiges Fischöl oder ein ausgewogenes Omega-3-6-9-Öl gehört fest in jede BARF-Ration, minderwertige oder pflanzliche Öle mit hohem Omega-6-Anteil können das Verhältnis aus dem Gleichgewicht bringen und Entzündungsprozesse eher fördern als lindern.

Schlafender schwarz-brauner Hund wird von Halterin auf dem Sofa gestreichelt – zum Ratgeber Mangelerscheinungen bei BARF

Krallen & Pfoten: Kleine Details mit großer Aussagekraft

Krallen werden oft übersehen, verraten aber erstaunlich viel über die Nährstoffversorgung.


Worauf Du achten solltest:

  • Brüchige, splitternde Krallen
  • Auffällig langsames Krallenwachstum
  • Raue, rissige Ballen

Mögliche Ursachen: Brüchige Krallen und stumpfes Fell werden vor allem mit einer unzureichenden Schwefelversorgung in Verbindung gebracht. Schwefel ist Bestandteil schwefelhaltiger Aminosäuren und damit wichtig für Bindegewebe, Fell und Krallen.


Er findet sich ausreichend in Fleisch, Fisch und Eiern, sodass bei einer abwechslungsreichen Rohfütterung selten ein Mangel entsteht.


Auch Biotin spielt über den Erhalt der Keratinstrukturen (Haare, Krallen) eine Rolle und wird über eine abwechslungsreiche Fütterung mit verschiedenen Fleischsorten und Innereien in der Regel gut abgedeckt.


Fütterst Du dagegen über längere Zeit sehr einseitig, etwa dauerhaft nur eine Fleischsorte ohne Innereienanteil, wird die Versorgung dünner.

Verdauung & Kotbeschaffenheit: Der ehrlichste Indikator

Der Kot Deines Hundes ist eines der zuverlässigsten täglichen Signale, das Du hast, und kostet Dich nichts außer einem Blick.


Worauf Du achten solltest:

  • Sehr harter, weißlicher Kot (typisch bei Knochenkot durch zu viel Calcium)
  • Dauerhaft zu weicher, unförmiger Kot
  • Übermäßige Blähungen
  • Unverdaute Futterreste im Kot

Mögliche Ursachen: Das Calcium-Phosphor-Verhältnis ist hier der wichtigste Stellhebel. Rohe fleischige Knochen sind die Hauptcalciumquelle in der BARF-Ration, aber sowohl zu viel als auch zu wenig davon macht sich über den Kot bemerkbar.


Zu weicher Kot kann außerdem auf einen zu geringen Faseranteil hindeuten. BARF besteht nicht nur aus Fleisch: Der pflanzliche Anteil der täglichen Ration liegt bei rund 20 Prozent, aufgeteilt in etwa 75 Prozent Gemüse und 25 Prozent Obst.


Diese Faserstoffe versorgen das Mikrobiom im Darm und sorgen für eine stabile Kotkonsistenz, ähnlich wie sie in der Natur über den Mageninhalt der Beutetiere aufgenommen würden. Fehlt dieser Anteil dauerhaft, spürt der Darm das zuerst.

Energie & Verhalten: Wenn der Antrieb fehlt

Nicht jede Mangelerscheinung ist sichtbar, manche äußern sich nur im Verhalten Deines Hundes.


Worauf Du achten solltest:

  • Ungewöhnliche Antriebslosigkeit oder schnelle Ermüdung
  • Konzentrationsschwäche beim Training
  • Wählerisches oder plötzlich verändertes Fressverhalten
  • Auffällig hoher Futterbedarf trotz normaler Aktivität

Mögliche Ursachen: Ein zu geringer Fettanteil im Futter ist ein häufig unterschätzter Grund für Energiemangel, denn Fett ist für Hunde der wichtigste und effizienteste Energieträger. Braucht Dein Hund bei normaler Aktivität auffällig viel Futter, um satt zu werden, lohnt sich ein Blick auf den Fettgehalt des verwendeten Fleisches.


Daneben können Eisen- oder B-Vitamin-Mängel eine Rolle spielen, wobei ein echter Eisenmangel allein durch Rohfütterung eher selten ist, solange Innereien und gegebenenfalls Blut regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Knochenbau & Wachstum: Besondere Vorsicht bei Welpen

Diese Kategorie betrifft vor allem Welpen, trächtige und säugende Hündinnen, also Tiere mit deutlich erhöhtem Nährstoffbedarf.


Worauf Du achten solltest:

  • Wachstumsstörungen oder ungleichmäßige Entwicklung
  • Auffällige Gelenkprobleme oder Fehlstellungen
  • Lahmheit ohne erkennbare Verletzung

Mögliche Ursachen: Hier steht wieder das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Mittelpunkt, diesmal mit größerer Tragweite, weil sich Fehler im Wachstumsalter schneller und nachhaltiger auswirken als bei ausgewachsenen Hunden.


Trächtige und laktierende Hündinnen haben einen deutlich erhöhten Calciumbedarf, und Welpen benötigen deutlich mehr Futter als ausgewachsene Hunde.


Wenn Du einen Welpen oder eine trächtige Hündin barfst, würde ich Dir dringend empfehlen, die Ration nicht nach Gefühl, sondern nach berechnetem Bedarf zusammenzustellen und im Zweifel eine BARF-Ernährungsberatung hinzuzuziehen.

Schleimhäute & Augen: Der unterschätzte Blick

Ein kurzer Blick ins Maul gehört für mich zur wöchentlichen Routine, weil er schnell geht und viel verrät.


Worauf Du achten solltest:

  • Blasse statt rosafarbene Schleimhäute
  • Nachlassende Sehkraft, besonders in der Dämmerung
  • Trockene, gereizte Augen

Mögliche Ursachen: Blasse Schleimhäute können auf einen Eisenmangel hindeuten, oft ausgelöst durch Blutverlust, etwa durch Parasiten, statt durch reine Fütterungslücken. Nachlassende Sehkraft kann mit einem Vitamin-A-Mangel zusammenhängen.


Leber ist hier der wichtigste Lieferant für direkt verwertbares Vitamin A, während Hunde einen Teil auch aus pflanzlichem Provitamin A umwandeln können, allerdings mit Verlusten.


Eine echte Überversorgung ist bei den in der Rohfütterung üblichen Mengen kaum zu erreichen: Ein 30-kg-Hund müsste auf einmal weit über 10 kg Leber fressen, um sich zu vergiften – bei einer üblichen Menge von rund 25 g Leber am Tag besteht also kein realistisches Risiko.

Jodversorgung: Der unterschätzte Klassiker bei selbst zusammengestellten Rationen

Jod wird bei selbst zusammengestellten BARF-Mahlzeiten oft schlicht vergessen, dabei ist es für die Schilddrüsenfunktion essenziell.


Worauf Du achten solltest:

  • Ungewöhnliche Antriebslosigkeit, Apathie oder Lethargie
  • Stumpfes Fell trotz sonst ausgewogener Fütterung
  • Sichtbare oder tastbare Schwellung im Halsbereich (Kropf)

Mögliche Ursachen: In freier Wildbahn decken Beutefresser ihren Jodbedarf über das Schilddrüsengewebe ihrer Beutetiere, in dem der Großteil des Jods im Körper gebunden ist.


Bei BARF wird aus Sicherheitsgründen bewusst auf die Fütterung von Schilddrüsengewebe verzichtet, weshalb diese natürliche Jodquelle in der Ration komplett fehlt. Fleisch, Innereien und die üblichen Gemüse- und Obstsorten liefern kaum relevante Mengen.


Wird eine Ration selbst zusammengestellt, ohne diesen Punkt zu bedenken, entsteht hier fast automatisch eine Lücke, ganz unabhängig davon, wie sorgfältig der Rest der Ration sonst geplant ist.


Die Lösung ist eine gezielte Ergänzung mit jodhaltigen Seealgen wie Ascophyllum nodosum (Kelp). Wichtig dabei: Die Dosierung muss zur gefütterten Futtermenge passen und über mehrere Tage der Woche verteilt werden, statt sie auf einmal zu verabreichen.


Auch eine Überversorgung ist möglich und sollte vermieden werden, besonders bei kleinen und sehr kleinen Hunden wirkt sich ein Dosierfehler schneller aus.


Achte außerdem darauf, dass Dein Hund nicht über mehrere Quellen gleichzeitig Jod bekommt, etwa durch algenhaltige Zahnpflegeprodukte oder zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel, da sich das sonst unbemerkt aufsummieren kann.


Wenn Du Dir bei der Zusammenstellung unsicher bist, beraten wir Dich gerne. Eine sichere Alternative sind unsere DLG-zertifizierten Komplett-Mixe, die als Alleinfuttermittel bereits alles enthalten, was Dein Hund braucht, inklusive Jod!

Wann solltest Du zum Tierarzt?

Alle genannten Anzeichen sind Hinweise, keine Diagnosen. Bevor Du selbst anfängst, Nährstoffe hochzudosieren, würde ich Dir immer raten, die Symptome tierärztlich abklären zu lassen, denn viele davon können auch andere Ursachen haben, etwa Parasiten, Allergien oder Erkrankungen, die nichts mit der Fütterung zu tun haben.


Ein Wort zu sogenannten BARF-Profilen, also Blutbildern, die speziell die Fütterung überprüfen sollen: Sie können ein hilfreiches Werkzeug sein, sind aber kein Freifahrtschein für Selbstdiagnosen.


Einzelne Werte, die knapp außerhalb der Referenzbereiche liegen, bedeuten nicht automatisch einen behandlungsbedürftigen Mangel.


Sprich Auffälligkeiten am besten gemeinsam mit einem Tierarzt oder einer erfahrenen BARF-Ernährungsberatung durch, bevor Du die Ration eigenmächtig veränderst.

Fazit

Bei einer abwechslungsreichen BARF-Ration mit verschiedenen Fleischsorten, Innereien, rohen fleischigen Knochen und dem passenden pflanzlichen Anteil sind echte Mangelerscheinungen selten.


Am häufigsten entstehen sie, wenn einzelne Komponenten dauerhaft fehlen oder das Verhältnis zwischen ihnen aus dem Gleichgewicht gerät.


Wenn Du die Signale Deines Hundes, vom Fell über den Kot bis zum Verhalten, im Blick behältst, kannst Du frühzeitig reagieren, statt erst zu handeln, wenn es sichtbar ernst wird.

Autor

Carolin Kroll
Carolin KrollZertifizierte BARF-Ernährungsberaterin

Carolin ist zertifizierte BARF-Ernährungsberaterin der THP-Schule (Swanie Simon) und begleitet bei BARFER'S seit 2023 Hunde- und Katzenbesitzer auf dem Weg zur artgerechten Rohfütterung. Ihre Leidenschaft fürs BARFen begann ebenfalls 2023, als ihre Hündin Fragola aus dem Tierschutz bei ihr einzog. Seitdem befasst sich Carolin mit BARF sowohl im Berufsalltag als auch zuhause.