Knochenbau & Wachstum: Besondere Vorsicht bei Welpen
Diese Kategorie betrifft vor allem Welpen, trächtige und säugende Hündinnen, also Tiere mit deutlich erhöhtem Nährstoffbedarf.
Worauf Du achten solltest:
- Wachstumsstörungen oder ungleichmäßige Entwicklung
- Auffällige Gelenkprobleme oder Fehlstellungen
- Lahmheit ohne erkennbare Verletzung
Mögliche Ursachen: Hier steht wieder das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Mittelpunkt, diesmal mit größerer Tragweite, weil sich Fehler im Wachstumsalter schneller und nachhaltiger auswirken als bei ausgewachsenen Hunden.
Trächtige und laktierende Hündinnen haben einen deutlich erhöhten Calciumbedarf, und Welpen benötigen deutlich mehr Futter als ausgewachsene Hunde.
Wenn Du einen Welpen oder eine trächtige Hündin barfst, würde ich Dir dringend empfehlen, die Ration nicht nach Gefühl, sondern nach berechnetem Bedarf zusammenzustellen und im Zweifel eine BARF-Ernährungsberatung hinzuzuziehen.
Schleimhäute & Augen: Der unterschätzte Blick
Ein kurzer Blick ins Maul gehört für mich zur wöchentlichen Routine, weil er schnell geht und viel verrät.
Worauf Du achten solltest:
- Blasse statt rosafarbene Schleimhäute
- Nachlassende Sehkraft, besonders in der Dämmerung
- Trockene, gereizte Augen
Mögliche Ursachen: Blasse Schleimhäute können auf einen Eisenmangel hindeuten, oft ausgelöst durch Blutverlust, etwa durch Parasiten, statt durch reine Fütterungslücken. Nachlassende Sehkraft kann mit einem Vitamin-A-Mangel zusammenhängen.
Leber ist hier der wichtigste Lieferant für direkt verwertbares Vitamin A, während Hunde einen Teil auch aus pflanzlichem Provitamin A umwandeln können, allerdings mit Verlusten.
Eine echte Überversorgung ist bei den in der Rohfütterung üblichen Mengen kaum zu erreichen: Ein 30-kg-Hund müsste auf einmal weit über 10 kg Leber fressen, um sich zu vergiften – bei einer üblichen Menge von rund 25 g Leber am Tag besteht also kein realistisches Risiko.
Jodversorgung: Der unterschätzte Klassiker bei selbst zusammengestellten Rationen
Jod wird bei selbst zusammengestellten BARF-Mahlzeiten oft schlicht vergessen, dabei ist es für die Schilddrüsenfunktion essenziell.
Worauf Du achten solltest:
- Ungewöhnliche Antriebslosigkeit, Apathie oder Lethargie
- Stumpfes Fell trotz sonst ausgewogener Fütterung
- Sichtbare oder tastbare Schwellung im Halsbereich (Kropf)
Mögliche Ursachen: In freier Wildbahn decken Beutefresser ihren Jodbedarf über das Schilddrüsengewebe ihrer Beutetiere, in dem der Großteil des Jods im Körper gebunden ist.
Bei BARF wird aus Sicherheitsgründen bewusst auf die Fütterung von Schilddrüsengewebe verzichtet, weshalb diese natürliche Jodquelle in der Ration komplett fehlt. Fleisch, Innereien und die üblichen Gemüse- und Obstsorten liefern kaum relevante Mengen.
Wird eine Ration selbst zusammengestellt, ohne diesen Punkt zu bedenken, entsteht hier fast automatisch eine Lücke, ganz unabhängig davon, wie sorgfältig der Rest der Ration sonst geplant ist.
Die Lösung ist eine gezielte Ergänzung mit jodhaltigen Seealgen wie Ascophyllum nodosum (Kelp). Wichtig dabei: Die Dosierung muss zur gefütterten Futtermenge passen und über mehrere Tage der Woche verteilt werden, statt sie auf einmal zu verabreichen.
Auch eine Überversorgung ist möglich und sollte vermieden werden, besonders bei kleinen und sehr kleinen Hunden wirkt sich ein Dosierfehler schneller aus.
Achte außerdem darauf, dass Dein Hund nicht über mehrere Quellen gleichzeitig Jod bekommt, etwa durch algenhaltige Zahnpflegeprodukte oder zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel, da sich das sonst unbemerkt aufsummieren kann.
Wenn Du Dir bei der Zusammenstellung unsicher bist, beraten wir Dich gerne. Eine sichere Alternative sind unsere DLG-zertifizierten Komplett-Mixe, die als Alleinfuttermittel bereits alles enthalten, was Dein Hund braucht, inklusive Jod!
Wann solltest Du zum Tierarzt?
Alle genannten Anzeichen sind Hinweise, keine Diagnosen. Bevor Du selbst anfängst, Nährstoffe hochzudosieren, würde ich Dir immer raten, die Symptome tierärztlich abklären zu lassen, denn viele davon können auch andere Ursachen haben, etwa Parasiten, Allergien oder Erkrankungen, die nichts mit der Fütterung zu tun haben.
Ein Wort zu sogenannten BARF-Profilen, also Blutbildern, die speziell die Fütterung überprüfen sollen: Sie können ein hilfreiches Werkzeug sein, sind aber kein Freifahrtschein für Selbstdiagnosen.
Einzelne Werte, die knapp außerhalb der Referenzbereiche liegen, bedeuten nicht automatisch einen behandlungsbedürftigen Mangel.
Sprich Auffälligkeiten am besten gemeinsam mit einem Tierarzt oder einer erfahrenen BARF-Ernährungsberatung durch, bevor Du die Ration eigenmächtig veränderst.
Fazit
Bei einer abwechslungsreichen BARF-Ration mit verschiedenen Fleischsorten, Innereien, rohen fleischigen Knochen und dem passenden pflanzlichen Anteil sind echte Mangelerscheinungen selten.
Am häufigsten entstehen sie, wenn einzelne Komponenten dauerhaft fehlen oder das Verhältnis zwischen ihnen aus dem Gleichgewicht gerät.
Wenn Du die Signale Deines Hundes, vom Fell über den Kot bis zum Verhalten, im Blick behältst, kannst Du frühzeitig reagieren, statt erst zu handeln, wenn es sichtbar ernst wird.