Eine Magendrehung, im Englischen auch als GDV (Gastric Dilatation-Volvulus) bezeichnet, ist ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem sich der Magen Deines Hundes um seine eigene Achse dreht und dabei den Magen-Darm-Kanal verschließt.


Unbehandelt stirbt ein Hund innerhalb weniger Stunden daran, selbst mit sofortiger Behandlung sterben noch 15 bis 20 % der betroffenen Tiere.


Entscheidend ist, die Symptome zu erkennen und sofort einen Tierarzt aufzusuchen, denn jede Minute zählt.

Was passiert bei einer Magendrehung?

Zunächst dehnt sich der Magen durch Gase oder Flüssigkeit aus, die Dein Hund nicht durch Aufstoßen oder Erbrechen loswird.


Dann dreht sich der Magen, meist im Uhrzeigersinn, wodurch sowohl der Mageneingang als auch der Magenausgang abgeschnürt werden.


Dadurch bläht sich der Magen noch weiter auf, Darmbakterien können ins Blut übertreten und Magengewebe stirbt ab. Am Ende dieser Kette steht ein Herz-Kreislauf-Versagen.


Wie schnell das geht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, aber die Erkrankung entwickelt sich innerhalb von Stunden, nicht Tagen. Genau deshalb zählt bei den Symptomen jede Minute.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Am stärksten betroffen sind große Rassen mit tiefem Brustkorb, etwa der Deutsche Schäferhund, Dobermann oder Boxer.


Riesenrassen wie Neufundländer und Deutsche Doggen tragen sogar ein etwa dreifach erhöhtes Risiko im Vergleich zu anderen Hunden.


Kleine Rassen wie zum Beispiel Beagle sind deutlich seltener betroffen, eine Magendrehung ist bei ihnen aber nicht ausgeschlossen.


Weitere Faktoren, die das Risiko unabhängig von der Rasse erhöhen können, sind:

  • Untergewicht
  • ein ängstliches oder besonders lebhaftes Temperament
  • männliches Geschlecht
  • höheres Alter
  • eine entsprechende Veranlagung innerhalb bestimmter Zuchtlinien
Schwarz-weiß gefleckte Deutsche Dogge mit tiefem Brustkorb steht draußen zwischen herbstlichem Laub

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen einer Magendrehung sind noch nicht vollständig geklärt, die Erkrankung gilt als multifaktoriell. Zu den bestätigten Risikofaktoren zählen:

  • Futterart: einseitige Fütterung mit Trockenfutter, vor allem wenn Fett oder calciumreiche Zutaten unter den ersten vier Bestandteilen stehen
  • Große Portionen pro Mahlzeit statt die Tagesmenge auf mehrere kleinere Mahlzeiten zu verteilen
  • Hastiges Schlingen, bei dem Dein Hund viel Luft mit abschluckt
  • Erhöhte Näpfe: Hunde, die aus einem erhöhten Napf fraßen, hatten in einer großen Studie ein höheres Risiko
  • Schwache Verdauung, etwa durch zu wenig Magensäure oder eine träge Magenbewegung, begünstigt durch Alter, Aufregung oder Stress

Häufig liest man außerdem, dass Calcium im Futter mit der Magensäure reagiert und dabei Gas freisetzt. Dieser Mechanismus ist bislang allerdings nur eine Hypothese und nicht wissenschaftlich belegt.


Wichtig zu wissen: Häufig genannte Annahmen wie Bewegung direkt nach dem Fressen - das Wälzen auf dem Rücken oder das Füttern großer Hunde vom Boden aus -oder das Wälzen auf dem Rücken gelten wissenschaftlich als nicht bestätigt (Hinweis: die Studie ist auf Englisch verfasst).


Auch das Füttern vom Boden ist unbedenklich, die Studienlage spricht eher gegen erhöhte Näpfe.

Symptome, die auf eine Magendrehung hindeuten

Erkennst Du eines oder mehrere dieser Anzeichen bei Deinem Hund, warte nicht ab, sondern fahr sofort zum Tierarzt:

  • starke Unruhe, Dein Hund findet keine bequeme Liegeposition
  • Speicheln, Würgen oder vergebliche Versuche zu erbrechen, oft kommt nur Schaum
  • ein fester, aufgeblähter, schmerzhafter Bauch, manchmal hörbares Gluckern im Bauch schon im Vorfeld
  • schnelles, flaches Atmen (Hecheln) und ein erhöhter Puls
  • blasse Schleimhäute und kalte Gliedmaßen als Zeichen des beginnenden Kreislaufversagens

Die Diagnose ergibt sich meist schon aus diesen Symptomen und wird per Röntgen gesichert.

Was tun im Notfall?

In der Klinik wird eine Magendrehung in mehreren Schritten behandelt. Zuerst stabilisiert der Tierarzt den Kreislauf Deines Hundes mit Infusionen gegen den Schock und entlastet den Magen, indem er das Gas ablässt.


Erst danach folgt die Operation, bei der der Magen zurückverlagert wird. Im Anschluss wird Dein Hund per EKG überwacht, weil nach einer Magendrehung Herzrhythmusstörungen auftreten können.


Unter Umständen müssen bei der OP die Milz oder abgestorbene Teile des Magens entfernt werden. Die Entfernung der Milz beeinträchtigt die Verdauung nicht. Muss dagegen ein Teil des Magens entfernt werden, kann das die Verdauung Deines Hundes dauerhaft einschränken.


Damit sich der Magen nicht erneut dreht, wird er während der OP an der Bauchwand fixiert (Gastropexie). Dabei entsteht eine dauerhafte Verwachsung, sodass sich der Magen danach nur noch sehr selten erneut dreht.


Aufblähen kann er sich allerdings weiterhin. Behalte die typischen Symptome deshalb auch nach einer überstandenen OP im Blick.

Vorbeugende Gastropexie: Der wirksamste Schutz für Risikorassen

Die wirksamste Vorbeugung für Hunde besonders gefährdeter Rassen ist die vorsorgliche Gastropexie. Dabei fixiert der Tierarzt den Magen an der Bauchwand, bevor es überhaupt zu einem Notfall kommt.


Der Eingriff wird häufig minimalinvasiv per Bauchspiegelung durchgeführt oder mit einer ohnehin geplanten Kastration verbunden. Bei Deutschen Doggen senkt er das Risiko, an einer Magendrehung zu sterben, deutlich.


Eine Magenüberblähung lässt sich damit nicht vollständig ausschließen, eine Drehung des Magens kommt danach aber nur noch selten vor. Ob eine vorsorgliche Gastropexie für Deinen Hund sinnvoll ist, besprichst Du am besten frühzeitig mit Deinem Tierarzt.

BARF bei erhöhtem Risiko: So barfst Du sicher

Rohfütterung ist bei einer Veranlagung zur Magendrehung grundsätzlich möglich, auch für Hunde, die bereits eine Magendrehung überstanden haben.


Belege dafür, dass BARF das Risiko einer Magendrehung senkt, gibt es bislang allerdings nicht. Entscheidend ist, bekannte Risikofaktoren auch beim Barfen zu vermeiden. Diese Anpassungen helfen Dir dabei:

  • Gib fleischige Knochen, Pansen und Blättermagen nicht in zu großen Brocken, denn wenn Dein Hund vergeblich versucht, große Stücke herunterzuschlucken, nimmt er dabei mehr Luft auf.
  • Hatte Dein Hund bereits eine Magendrehung, sollten rohe fleischige Knochen sicherheitshalber nur gewolft gefüttert werden, die Menge richtet sich dabei weiterhin nach seinem Calcium- und Phosphorbedarf.
  • Halte den pflanzlichen Anteil frei von kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Kartoffeln oder Getreide, die Energie sollte stattdessen aus tierischem Fett kommen.
  • Milchprodukte gibst Du bei einer entsprechenden Veranlagung höchstens in sehr kleinen Mengen, da sie leicht vergären.

Fütterungstechnik: Kleine Anpassungen mit großer Wirkung

Gefährdete Hunde profitieren von ein paar einfachen Änderungen im Fütterungsalltag:

  • Füttere mindestens zwei- bis dreimal täglich statt einer großen Mahlzeit, am besten zu festen Zeiten
  • Lass Deinen Hund rund eine Stunde vor und nach dem Fressen nicht in großen Mengen auf einmal trinken, Wasser kann sonst die Magensäure daran hindern, das Futter richtig zu durchdringen.
  • Stell den Napf auf den Boden, statt einen erhöhten Napfständer zu verwenden.
  • Bremst Dein Hund beim Fressen nicht von selbst, helfen Anti-Schling-Näpfe, ein ruhiger, ablenkungsfreier Futterplatz oder eine kleine Futtersuche im Garten statt der Fütterung aus dem Napf.
  • Hatte Dein Hund bereits eine Magendrehung, schütze ihn zusätzlich vor starker Hitze, da er beim Hecheln vermehrt Luft abschluckt, und lass ihn draußen weder Erde noch Unrat noch Wasser aus Pfützen aufnehmen.
  • Vermeide Stress und anstrengende Bewegung rund um die Fütterung. Bei sehr ängstlichen oder lebhaften Hunden kann ein Hundetrainer unterstützen, bei auffälligem Verhalten lohnt sich zusätzlich eine Abklärung der Schilddrüsenfunktion beim Tierarzt.

Fütterung nach einer überstandenen Magendrehung

Wurden keine größeren Magenteile entfernt, lässt sich die Fütterung schrittweise normalisieren, auch eine spätere Rückkehr zur Rohfütterung mit den oben genannten Anpassungen ist möglich.


Nach größeren Magenresektionen oder bei anhaltenden Beschwerden bleibt es meist bei individuell abgestimmten, gekochten Mahlzeiten. Das solltest Du eng mit Deinem Tierarzt abstimmen.

Fazit: Vorbeugen ist bei der Magendrehung der beste Schutz

Eine Magendrehung ist einer der gefährlichsten Notfälle, die Deinem Hund passieren können, gerade weil sie so schnell fortschreitet und selbst mit Behandlung noch immer ein hohes Risiko birgt.


Wenn Du weißt, welche Symptome auf eine Magendrehung hindeuten und im Ernstfall sofort handelst, verschaffst Du Deinem Hund die bestmögliche Chance.


Gehört Dein Hund zu einer besonders gefährdeten Rasse, ist die vorsorgliche Gastropexie der wirksamste Schutz. Sprich das Thema deshalb frühzeitig bei Deinem Tierarzt an.


Ergänzend kannst Du das Risiko im Alltag senken: mit kleineren, über den Tag verteilten Mahlzeiten, einem ruhigen Futterplatz mit Napf auf Bodenhöhe, angepassten Stückgrößen bei rohen Komponenten und ohne große Mengen Wasser direkt rund um die Fütterung.


BARF schützt zwar nicht von sich aus vor einer Magendrehung, lässt sich aber gut auf einen gefährdeten Hund zuschneiden, weil Du jede Komponente selbst bemisst und anpassen kannst.


Wenn Du unsicher bist, wie Du die Rohfütterung für einen gefährdeten Hund konkret anpasst, kannst Du eine BARF-Beratung buchen und den Futterplan gemeinsam mit uns abstimmen.

Autor

Dr. med. vet. Christian de Wolf
Dr. med. vet. Christian de Wolf

Dr. Christian de Wolf ist promovierter Tierarzt und berät BARFER'S in allen tiermedizinischen Fragen rund um die Ernährung von Hunden und Katzen.


In seiner Arbeit hat er immer wieder erlebt, wie sehr eine artgerechte Ernährung die Gesundheit, das Immunsystem und die Lebensfreude der Tiere stärkt.


Ihm ist wichtig, dass die BARF-Mahlzeiten nach dem Beutetierprinzip zusammengestellt und aus frischen Zutaten hergestellt werden.


Sein Anspruch ist, Tierhaltern eine ehrliche, praktische und vertrauenswürdige Fütterungslösung zu bieten, die leicht in den Alltag passt.

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