Diagnose beim Tierarzt
Der Tierarzt diagnostiziert eine CNI in erster Linie über eine Blutuntersuchung: Steigen die harnpflichtigen Substanzen Harnstoff und Kreatinin im Blut an, deutet das auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin.
Ergänzend wird häufig der neuere SDMA-Wert bestimmt, der eine nachlassende Nierenfunktion bereits deutlich früher anzeigen kann als Kreatinin allein.
Ebenso wichtig sind eine Urinuntersuchung, vor allem das Verhältnis von Protein zu Kreatinin im Urin (UPC-Wert) und die Urindichte, sowie eine Blutdruckmessung. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen, etwa zur Erkennung von Tumoren oder Harnsteinen, ergänzen die Diagnostik.
Wurde eine CNI festgestellt, wird sie anhand der Kreatinin- und SDMA-Werte in eines von vier Stadien nach dem international anerkannten IRIS-Schema eingestuft, von Stadium I mit noch weitgehend erhaltener Nierenfunktion bis Stadium IV, dem Endstadium.
Innerhalb jedes Stadiums unterscheidet das Schema zusätzlich nach UPC-Wert und Blutdruck. Beide Werte beeinflussen, wie schnell die Erkrankung fortschreitet und welche Behandlung sinnvoll ist.
Wie geht es nach der Diagnose weiter?
Eine CNI-Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass wenig Zeit bleibt. Wird sie in einem frühen Stadium erkannt und die Ernährung konsequent angepasst, kann sich das Fortschreiten deutlich verlangsamen lassen, viele Hunde leben danach noch längere Zeit mit guter Lebensqualität.
Im fortgeschrittenen Stadium reicht die verbleibende Zeit dagegen meist nur noch von wenigen Monaten bis zu etwa zwei Jahren. Wie lange und wie gut Dein Hund mit einer CNI leben kann, hängt stark vom Stadium bei Diagnosestellung, eventuellen Begleiterkrankungen und davon ab, wie konsequent die Behandlung und Ernährung umgesetzt werden.
Deshalb ist eine frühzeitige tierärztliche Abklärung bei den oben genannten Symptomen so wichtig.
Behandlung
Bei einer CNI richtet sich die medikamentöse Behandlung nach Stadium und Befunden. Häufig eingesetzt werden:
- ACE-Hemmer oder Telmisartan, wenn Dein Hund vermehrt Eiweiß über den Urin verliert
- Amlodipin gegen Bluthochdruck
- Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
- Appetitanreger
- Infusionen unter die Haut, die Du Deinem Hund nach Anleitung teils auch zu Hause geben kannst
Daneben ist die Ernährung einer der wirksamsten Hebel, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Die Rolle der Ernährung bei CNI
Zwei Faktoren gelten als besonders entscheidend dafür, wie schnell eine CNI fortschreitet: ein erhöhter Phosphatspiegel im Blut und eine erhöhte Eiweißausscheidung über den Urin.
Genau hier setzt die Ernährung an. Am besten belegt ist dabei die Senkung des Phosphorgehalts im Futter. Das Protein wird dagegen nur moderat reduziert, abhängig vom Stadium und davon, wie viel Eiweiß Dein Hund über den Urin verliert.
Muskelmasse und Albuminwert im Blut sollten dabei regelmäßig kontrolliert werden, damit Dein Hund nicht abbaut.
Die beste Studienlage haben bislang kommerzielle Nierendiäten. Möchtest Du Deinen Hund lieber selbst barfen, ist das grundsätzlich möglich.
Den Futterplan sollte dann aber ein Tierarzt mit Schwerpunkt Tierernährung oder ein Fachtierarzt für Tierernährung und Diätetik berechnen.
Phosphat gezielt senken, Protein moderat anpassen
Ziel ist es, vor allem den Phosphatgehalt im Futter zu senken und das Protein nur so weit wie nötig zu reduzieren. Schmackhaftigkeit und Nährstoffdichte dürfen dabei nicht zu kurz kommen, denn gerade nierenkranke Hunde neigen zu Appetitlosigkeit.
Bei einer Nierendiät kann der pflanzliche Anteil je nach Stadium und Blutwerten auf bis zu 30 % erhöht werden (Verhältnis 70:30). So sinkt die Gesamtmenge an Protein, ohne dass Dein Hund weniger im Napf hat. Gemüse liefert allerdings vor allem Volumen und kaum Energie, die fehlende Energie muss deshalb über Fett kommen.
Da Gemüse viel Kalium enthält, sollte der Kaliumspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden, besonders wenn Dein Hund ACE-Hemmer bekommt.
Phosphatarme Auswahl innerhalb des Fleischanteils
Auch innerhalb der tierischen Komponenten macht die Auswahl einen Unterschied. Damit sich die Werte fair vergleichen lassen, beziehen wir sie auf den Energiegehalt, also auf 1.000 kcal.
Knochen und Knochenmehl enthalten besonders viel Phosphor. Hühnerhälse als klassischer roher fleischiger Knochen liefern zum Beispiel rund 4.800 mg Phosphor pro 1.000 kcal, unser gewolftes Muskelfleisch dagegen nur etwa 330 bis 400 mg. Je magerer das Fleisch ist, desto höher liegt dieser Wert allerdings.
Auch Innereien wie Leber (rund 4.000 mg pro 1.000 kcal) oder Niere (rund 2.250 mg pro 1.000 kcal) liegen deutlich über Muskelfleisch.
Bei einer Nierendiät wird der Knochen- und Innereienanteil deshalb reduziert und stärker durch Muskelfleisch ersetzt.
Ein Teil des Muskelfleisches lässt sich durch gekochtes Eiklar ersetzen. Es liefert hochwertiges Protein bei sehr wenig Phosphor. Gekocht sollte es sein, weil rohes Eiklar bei regelmäßiger Gabe die Aufnahme von Biotin hemmt.
Mascarpone eignet sich in kleinen Mengen als phosphatarme Fettquelle, um den Energiebedarf zu decken. Quark ist dagegen weniger geeignet, als oft angenommen wird, denn bezogen auf seinen Proteingehalt enthält er mehr Phosphor als Muskelfleisch.
In frühen Stadien reicht es meist, nur die Lunge innerhalb der Innereien zu ersetzen, da sie vergleichsweise viel Bindegewebe bei wenig Nährstoffen liefert.
Mit fortschreitender CNI wird der gesamte Innereienanteil dann schrittweise gekürzt, im fortgeschrittenen Stadium notfalls bis auf einen kleinen, ausschließlich aus Leber bestehenden Rest oder ganz auf Null, ausgeglichen durch gezielte Nahrungsergänzung. Auch das ist wieder ein Bereich, der eine stadiengerechte, individuelle Berechnung statt einer pauschalen Faustregel braucht.
Knochen (RFK) entfallen bei einer Nierendiät meist schrittweise: In Stadium I kann es reichen, einen Teil davon zu ersetzen, ab Stadium II ist die Fütterung von RFK in der Regel nicht mehr sinnvoll.
An ihre Stelle tritt ein phosphatfreies Calciumpräparat. Häufig wird dafür Calciumcarbonat eingesetzt, weil es zusätzlich Phosphat aus der Nahrung bindet.
Es ist aber nicht der einzige Phosphatbinder. Bei Hunden werden mindestens ebenso häufig aluminiumhaltige Präparate wie Aluminiumhydroxid verwendet. Welcher Binder für Deinen Hund passt, entscheidet der Tierarzt. Bei calciumhaltigen Phosphatbindern sollte er außerdem den Calciumspiegel im Blut regelmäßig kontrollieren.
Fallen die Knochen weg, fehlt auch die Energie aus dem daran haftenden Fleisch und Fett. Gleiche sie über zusätzliches Fett aus und nicht über mehr Muskelfleisch, denn das würde Protein und Phosphor wieder erhöhen.
Mehr Fett statt mehr Protein für die Energie
Wird weniger Protein gefüttert, muss der fehlende Energieanteil anderweitig ausgeglichen werden, sonst nimmt Dein Hund ab. Deshalb wird der Fettgehalt im Futter bei einer Nierendiät gezielt erhöht.
Gezielte Nährstoffanpassungen
Durch die vermehrte Urinausscheidung verliert Dein Hund zusätzlich wasserlösliche Vitamine, weshalb der Bedarf an B-Vitaminen steigt.
Bei nachlassender Nierenfunktion kann der Körper Vitamin D schlechter in seine aktive Form umwandeln. Zusätzliches Vitamin D aus Futter oder Präparaten gleicht das nicht aus. Es kann im Gegenteil den Calciumspiegel gefährlich erhöhen und die Nieren weiter schädigen. Gib deshalb kein zusätzliches Vitamin D auf eigene Faust. Ob aktives Vitamin D (Calcitriol) sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt, der die Gabe dann auch überwacht.
Auch Natrium wird bei einer Nierendiät begrenzt, vor allem wenn Dein Hund Bluthochdruck hat. Gesalzene Brühe, Wurst oder Käse haben im Napf deshalb nichts verloren.
Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl werden bei einer Nierendiät in höherer Dosis eingesetzt als bei der normalen BARF-Fütterung, da ihnen eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Die passende Menge legt Dein Tierarzt fest.
Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Carotinoide helfen zusätzlich, den erhöhten oxidativen Stress im geschädigten Nierengewebe abzufedern.
Wie genau ein solcher Futterplan im Detail aussehen muss, also die konkreten Mengen für Protein, Phosphat und die genannten Nährstoffe, hängt maßgeblich vom individuellen IRIS-Stadium, den aktuellen Blutwerten und eventuellen Begleiterkrankungen Deines Hundes ab.
Diese Feinabstimmung ist bewusst kein Wert, den wir hier pauschal nennen, hier solltest Du in enger Abstimmung mit Deinem Tierarzt stehen, da falsch dosierte Anpassungen die Nieren zusätzlich belasten statt entlasten können.
Praktisch heißt das auch: Unsere fertigen Komplett-Mixe liegen bei Protein und Phosphat teils bereits in einem moderaten Bereich, sind aber als fixe Rezeptur konzipiert und daher nicht auf ein bestimmtes CNI-Stadium abgestimmt.
Da sich die Zielwerte für Protein und vor allem Phosphat mit fortschreitender Erkrankung ändern und eine Nierendiät zusätzlich angepasste Mengen an B-Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien braucht, sind Komplett-Mixe kein Ersatz für einen individuell berechneten Futterplan.
Für einen solchen Futterplan brauchst Du Komponenten mit klar definierter Zusammensetzung. Reines Muskelfleisch ohne Knochen und Innereien, etwa aus unserer Produktfamilie CHOICE, lässt sich gut nach den Vorgaben Deines Tierarztes mit Innereien, Öl und Supplementen ergänzen. Unser gewolftes Rindermuskelfleisch liefert dabei rund 400 mg Phosphor pro 1.000 kcal, unser gewolftes Lammmuskelfleisch rund 330 mg.
Im Alltag lässt sich die Futteraufnahme bei appetitlosen, nierenkranken Hunden oft mit ein paar einfachen Handgriffen unterstützen: Leicht angewärmtes Futter riecht intensiver und wird häufig besser angenommen, ein Schuss ungesalzene Fleischbrühe kann zusätzlich zum Fressanreiz und zur Flüssigkeitsaufnahme beitragen.
Im fortgeschrittenen Stadium ist die Immunabwehr nierenkranker Hunde geschwächt. Achte deshalb besonders auf Hygiene beim Umgang mit rohem Fleisch, oder gare die tierischen Bestandteile schonend an.
Da nierenkranke Hunde durch die erhöhte Urinausscheidung schneller dehydrieren können, sollte außerdem jederzeit frisches Wasser erreichbar sein, auch unterwegs auf Spaziergängen.