Wenn Du gerade ein Kitten bei Dir aufgenommen hast, taucht diese Frage früher oder später auf: Kann ich mein Kitten eigentlich barfen – oder ist das zu früh, zu riskant, zu kompliziert?

Die gute Nachricht: Ja, BARF ist grundsätzlich für Kitten geeignet. Gerade in der Wachstumsphase kommt es aber auf ein paar wichtige Details an – damit Dein Kitten optimal versorgt ist und gesund aufwächst.

Die ersten Wochen: Muttermilch hat Vorrang

In den ersten Lebenswochen musst Du Dir über BARF noch keine Gedanken machen. Bis zur achten Lebenswoche sind Kitten Saugwelpen – ihre Hauptnahrungsquelle ist die Muttermilch, die alles liefert, was sie in dieser Phase brauchen.

Ab etwa der fünften bis sechsten Woche beginnen Kitten, erste Neugier auf feste Nahrung zu zeigen. Dieser Prozess ist fließend: Bis zur zwölften Woche steigt der Anteil fester Nahrung schrittweise an, während die Abhängigkeit von der Muttermilch abnimmt. Genau hier kannst Du erste vorsichtige BARF-Schritte einbauen.

Kitten mit großen Augen und herausgestreckter Zunge frisst kleine Stücke rohes Fleisch von einem Teller – typisches Beispiel für den Einstieg in die BARF-Ernährung bei jungen Katzen

Ab wann kann ein Kitten vollständig gebarft werden?

Ab der zwölften Lebenswoche ist ein Kitten bereit für eine vollständige BARF-Ernährung.

Es kann feste Nahrung vollständig verwerten, ist nicht mehr auf Muttermilch angewiesen und profitiert nun besonders von einer artgerechten, rohfleischbasierten Ernährung.

Die Zusammensetzung der Mahlzeiten bleibt dabei grundsätzlich dieselbe wie bei adulten Katzen.

Was sich unterscheidet, ist vor allem die Menge – denn Kitten wachsen schnell und haben einen deutlich höheren Energie- und Nährstoffbedarf als ausgewachsene Tiere.

Wie oft und wie viel sollte ein Kitten fressen?

Kitten haben kleine Mägen, aber einen enormen Energiebedarf. Deshalb gilt: lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen.

In den ersten 8 Lebenswochen

In den ersten acht Wochen werden fünf bis sechs Mahlzeiten täglich ad libitum angeboten – also so viel, wie das Kitten möchte.

Pro Mahlzeit kannst Du grob mit etwa 20 g kalkulieren, wobei manche Kitten in dieser Phase bis zu 20 % ihres Körpergewichts pro Tag fressen. Das ist völlig normal.

Zwischen der 9. und 12. Lebenswoche

Zwischen der neunten und zwölften Lebenswoche reduziert sich die Fütterungsfrequenz von Kitten schrittweise auf vier bis fünf Mahlzeiten täglich.

Bis zum ersten Lebensjahr

Bis zum ersten Lebensjahr gilt grundsätzlich: Kitten dürfen so viel fressen, wie sie möchten.

Besonders großen Appetit entwickeln sie zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat, wenn die Wachstumskurve noch einmal deutlich anzieht.

Worauf Du bei der BARF-Zusammensetzung bei Kitten achten solltest

Eine ausgewogene BARF-Mahlzeit für Katzen bezieht sich auf die tägliche Gesamtfuttermenge und setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • ca. 60 % Muskelfleisch
  • ca. 15 % Taurinreiches Fleisch (z.B. Herzfleisch)
  • ca. 10 % Innereien-Mix (Leber, Niere, Milz, Herz, Lunge)
  • ca. 10 % Rohfleischige Knochen (RFK)
  • ca. 5 % Gemüse & Obst

Dazu kommen gezielte Ergänzungen – dazu weiter unten mehr.

Fettgehalt: etwa 15 % im Muskelfleisch

Für Kitten empfehlen wir einen Fettanteil von etwa 15 % im Muskelfleisch.

Dieser Wert trägt dem hohen Energiebedarf in der Wachstumsphase Rechnung und ist gleichzeitig gut verträglich für die noch nicht vollständig ausgereifte Verdauung junger Katzen.

Bei sehr magerem Fleisch kann gezielt etwas Fett ergänzt werden.

Kalzium: wichtig für Knochen und Wachstum

Kalzium ist neben Phosphor das wichtigste Mineral im Knochenstoffwechsel – und in der Wachstumsphase besonders entscheidend.

Als Kalziumquelle eignen sich rohe, fleischige Knochen wie Hühnerhälse sehr gut. Alternativ kann Knochenmehl eingesetzt werden. Das ideale Kalzium-Phosphor-Verhältnis liegt bei etwa 1,1 bis 1,3:1.

Taurin: unverzichtbar für Katzen

Taurin ist für Katzen essenziell – das bedeutet, es muss über die Nahrung aufgenommen werden, da Katzen es nicht selbst synthetisieren können. Ein Taurinmangel kann zu ernsthaften Erkrankungen führen.

Die beste natürliche Quelle ist Herzfleisch, zum Beispiel Hühnerherzen oder Putenherzen. Alternativ empfiehlt sich ein hochwertiges Taurin-Supplement.

Konsistenz und Stückgröße

Kitten müssen das Fressen buchstäblich erst lernen. Starte mit fein gewolften Komponenten, die leicht zu schlucken sind. Ganze rohe fleischige Knochen wie Hühnerhälse gibst Du nur unter Aufsicht.

Ab der zwölften Lebenswoche können die meisten Kitten bereits Fleisch am Stück problemlos fressen.

Ergänzungen: das gewisse Extra

Neben den Hauptkomponenten profitieren Kitten von natürlichen BARF-Nahrungsergänzungen:

  • Fischöl liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die die Gehirnentwicklung und das Immunsystem unterstützen
  • Seealgenmehl ist eine natürliche Jodquelle und wichtig für die Schilddrüsenfunktion
  • Dorschlebertran wird hauptsächlich für die Vitamin-D-Versorgung eingesetzt - alternativ kannst Du auch Eigelb füttern

Futterprägung: Jetzt die Weichen stellen

Die ersten Wochen im Leben eines Kitten sind eine prägende Phase – auch beim Fressen.

Um das Immunsystem nicht zu überfordern, sondern gezielt zu trainieren, empfehlen wir in den ersten vier Wochen der Umstellung jeweils nur eine Fleischsorte pro Woche einzuführen.

So kann sich der Organismus schrittweise an verschiedene Eiweißquellen gewöhnen.

Nach dieser Eingewöhnungsphase gilt: so viel Abwechslung wie möglich. Verschiedene Fleischsorten, unterschiedliche Konsistenzen – wer jetzt variiert, vermeidet später wählerisches Fressverhalten.

Tipp: Halte eine Proteinsorte zurück (zum Beispiel Pferd), auf die Du im Falle einer Ausschlussdiät zurückgreifen kannst.

Schritt für Schritt: So gelingt die Umstellung auf BARF

Kommt Dein Kitten zu Dir und war bisher nicht an Rohfutter gewöhnt, empfehlen wir einen kleinen Vorrat des bisherigen Futters einzuplanen.

Nach ein bis zwei Wochen Eingewöhnungszeit kannst Du schrittweise mit der Umstellung beginnen: zunächst eine Mahlzeit täglich durch BARF ersetzen, dann eine zweite – bis alle Mahlzeiten roh sind.

Verweigert Dein Kitten das Rohfleisch zunächst, hilft es, das Fleisch leicht zu erwärmen oder kurz anzubraten (nur Muskelfleisch und Innereien, Knochen dürfen nicht erhitzt werden). Der intensivere Geruch erhöht die Akzeptanz deutlich.

Starte am besten mit gut verträglichen, fein gewolften Fleischsorten wie Huhn oder Pute.

Sind BARFER'S Komplett-Mixe für Kitten geeignet?

Unsere Komplett-Mixe für Katzen sind vollwertige BARF-Mahlzeiten, tragen das DLG-Siegel für ernährungsphysiologische Ausgewogenheit und sind als Alleinfuttermittel für ausgewachsene Katzen zertifiziert.

Für Kitten sind sie rechtlich nicht explizit zugelassen, da sie nicht speziell auf die Bedürfnisse von Jungtieren geprüft wurden.

In der Praxis bedeutet das: grundsätzlich ernährungsphysiologisch geeignet, aber mit Bedacht einzusetzen.

Gerade weil Kitten individuelle Anpassungen brauchen – vor allem in Menge und Fettstufe – empfehlen wir, die Mahlzeiten aus BARF-Einzelkomponenten zusammenzustellen.

So hast Du die volle Kontrolle über das, was in der Schüssel landet.

Fazit: BARF für Kitten – ja, mit dem richtigen Wissen

BARF kann Deinem Kitten einen optimalen Start ins Leben ermöglichen. Voraussetzung ist, dass Du die Menge individuell anpasst, auf einen ausgewogenen Fettgehalt achtest, Taurin und Kalzium im Blick behältst und für ausreichend Vielfalt sorgst.

Weil gerade in der Wachstumsphase so viel von der richtigen Ernährung abhängt, lohnt es sich, nichts dem Zufall zu überlassen.

BARF-Plan für Kitten

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Autor

Carolin Kroll
Carolin KrollZertifizierte BARF-Ernährungsberaterin

Carolin ist zertifizierte BARF-Ernährungsberaterin der THP-Schule (Swanie Simon) und begleitet bei BARFER'S seit 2023 Hunde- und Katzenbesitzer auf dem Weg zur artgerechten Rohfütterung. Ihre Leidenschaft fürs BARFen begann ebenfalls 2023, als ihre Hündin Fragola aus dem Tierschutz bei ihr einzog. Seitdem befasst sich Carolin mit BARF sowohl im Berufsalltag als auch zuhause.